Deutschland braucht mehr Gründerinnen!

In unserem aktuellen Interview ist klar zu erkennen: Es fehlen vor allem Gründerinnen am Markt, denn wir sind überzeugt, JEDER kann lernen unternehmerisch zu handeln. Was Sandra Westermann (Gründerin von Superheldin.io) dazu bewegt hat, trotzdem genau diesen Weg einzuschlagen und was sie mit ihrem Unternehmen erreichen möchte, lest ihr direkt hier.

Liebe Sandra, du hast mit Superheldin.io eine Stellenbörse für familienfreundliche Angebote geschaffen. Warum?

Ich habe ca. 15 Jahre als Produktionsleiterin bei diversen TV Produktionsfirmen gearbeitet und war dort für die Budgets und alle organisatorischen Aufgaben von der Teamsuche bis zur Umsetzung der Dreharbeiten verantwortlich. Als ich nach der Elternzeit auf Jobsuche war, hat sich das schwieriger gestaltet als angenommen.

Tagelang habe ich nach Jobbörsen geschaut, die mir einerseits die Flexibilität bieten, die ich in meiner neuen Familiensituation brauche, andererseits aber auch einen Job bieten können, der meine bisherige Berufserfahrung widerspiegelt.

Zwei von drei Müttern nehmen nach einer familienbedingten Erwerbspause einen Job an, für den sie eigentlich überqualifiziert sind. Ein weiterer Teil findet erst gar keine Arbeit. Andererseits haben wir einen Fachkräftemangel in Deutschland.

Das passte nicht zusammen.

Ein großer Teil der Unternehmen bietet bereits familienfreundliche Modelle an. Bisher konnten sie sich allerdings nicht sichtbar machen.

Als mir das klar wurde, habe ich mich entschlossen, die Jobbörse Superheldin.io zu gründen, um familienfreundlichen Unternehmen und Müttern (und Vätern) eine Plattform bieten zu können, auf der sie sich treffen.

Wie weit bist du auf deinem Weg?

Als Startup ist insbesondere der Anfang immer steinig. Es passieren so viele Dinge, mit denen Du nicht rechnest, Gutes wie Schlechtes.

Superheldin hat sich altersgerecht entwickelt. Natürlich gibt es noch sehr viel zu tun und das ist auch gut so.

Unsere Vision ist, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in naher Zukunft eine Selbstverständlichkeit ist.

Ist für dich das „Unternehmertum“ der beste Weg die Zukunft aktiv selbst zu gestalten?

Ich brenne für mein Thema. Dadurch, dass ich am eigenen Leib erlebt habe wie eine Mutterschaft mein Berufsleben verändert hat, bin ich unfassbar dankbar dafür, dass ich mit Superheldin.io auch andere Mütter unterstützen kann. Wir haben bereits so viele vermittelte Frauen, das entschuldigt für jede schlaflose Nacht.

Für die Campus Founders in Heilbronn ist klar: „Jeder Mensch kann lernen unternehmerisch zu handeln“. Siehst du das auch so?

Unternehmertum ist (leider) nichts, was wir in der Schule lernen. Ich persönlich muss gestehen, dass ich sehr dankbar für meine Berufserfahrung bin, für die guten und schlechten Situationen, die ich lösen musste oder die ich erlebt habe. Daraus habe ich rückblickend viel Know-how mitgenommen, das mir jetzt zugute kommt. Das fängt bei einer Arbeitsstruktur an, geht bis zur Kommunikation mit dem Team oder Dienstleistern oder dem Setzen von Prioritäten.

Als unerlässlich empfinde ich die Passion, die man für sein Thema hat.

Welche Hilfe hättest du dir auf deinem bisherigen Weg gewünscht?

Insbesondere in der Anfangszeit hätte ich mir Unterstützung durch finanzielle Förderung gewünscht. Ich bin mir sicher, dass würde auch die Gründerinnenquote erhöhen, die derzeit bei nur 15,1 Prozent liegt (Quelle: FemaleFounder Monitor 2019).

Du bist selbst Gründerin, setzt dich für familienfreundlicher Arbeitergeber*innen ein. Hätte ein Mann je auf die Idee kommen können „Superheldin“ zu gründen?

Das ist eine tolle Frage! In meinen Augen geht es bei dem Thema um Authentizität. Stellenbörsen sprechen in der gesamten Rhetorik vor allen Dingen Männer an.

Frauen werden heutzutage in Vorstellungsgesprächen immer noch nach ihrer Familienplanung gefragt. Weiterhin gibt es nun nicht umsonst die Frauenquote, es existiert ein Gender-Pay-Gap und nur 6 % der Väter arbeitet in Teilzeit (Quelle: Mikrozensus 2018).

Kurzum: Ein Mann hat einfach nicht diese Probleme. Uns ist es ein großes Anliegen, dass es auch für Väter (und für Arbeitgeber) selbstverständlich sein sollte das sich Väter Elternzeit nehmen oder in Teilzeit arbeiten.

Quelle: Unsplash.com

Was denkst du denn insgesamt, warum gründen so wenige Frauen im Verhältnis zu Männern?

Frauen gehen seltener ein Risiko ein, sie trauen sich oft nicht genug zu. Weiterhin ist das Thema Vereinbarkeit ein Grund, weshalb sich viele dagegen entscheiden.

Die Campus Founders setzen sich ganz bewusst für „Zebra-Startups“ ein, die sowohl wirtschaftlich erfolgreich sind, sich aber auch für eine bessere Gesellschaft einsetzen. Welche Rolle spielt für dich „Purpose“?

Purpose spielt für mich eine große Rolle, deswegen gibt es auch Superheldin.

Letzte Frage: Welche Rolle spielt bei dir und euch die „Corona-Pandemie“? Trotz aller Einschränkungen – ist es für euch eher Chance und Krise?

Ich bin grundsätzlich ein optimistischer Mensch, von daher bemühe ich mich neben all der Einschränkungen und Beschränkungen das Beste aus der Krise zu ziehen. Ein Trend, den wir jetzt definitiv seit Herbst feststellen, ist, dass Unternehmen das Thema „flexibles Arbeiten“ verstanden haben und sich verstärkt an uns wenden. Wenn wir eines in den vergangenen Monaten gelernt haben, ist es flexibel und remote zu arbeiten. Das mussten wir Arbeitgebern bisher immer erklären. Superheldin steht für flexible Arbeitsmodelle und wir haben die bisher kaum genutzte Ressource des Arbeitsmarktes die genau diese Arbeitsmodelle braucht: Mütter.

Vielen Dank liebe Sandra, natürlich für das Interview und deine Zeit, vor allem aber für den Mut, zu Gründen und somit als starkes Vorbild voran zu gehen.

Die Programme von Campus Founders sind selbstverständlich für jeden zugänglich. So hoffen wir auch in Zukunft die Frauenquote unter den Gründer*innen positiv beeinflussen zu können.

Auch du hast Lust zu gründen, es liegen aber einige Hürden vor dir? Wir freuen uns auf eine Kontaktaufnahme und darauf, dich bei Campus Founders willkommen zu heißen.

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