Sebastian Borek im Interview

Im Oktober diesen Jahres hatten wir Tobias Rieker, Founder von Markt-Pilot und Member der Campus Founders, zu Gast in unserer Interview-Serie. Ein ideales Beispiel eines B2B-Startup aus der Region, welches mit mittelständischen Unternehmen in der Region erste Kunden als Erfolg feiern konnte.

Die Unterstützung von jungen Gründerteams ist auch das Ziel unserer Mitstreiter der Founders Foundation in Bielefeld. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von B2B-Startups in der OWL-Region mit deren Mittelstand.

Was uns verbindet – wir glauben es braucht viele Initiativen zur Förderung von Entrepreneurship in Deutschland, um den wirtschaftlichen Erfolg von Morgen in unserer Heimat zu sichern.

Für das Interview hier haben wir Sebastian Borek, CEO der Founders Foundation, gewinnen können.

Lieber Sebastian, erklär uns doch bitte kurz, was du selbst bei der Founders Foundation in Bielefeld machst und was ihr dort genau vorhabt?

Ich bin CEO der Founders Foundation und baue diese gemeinsam mit meinem Co-Founder Dominik Gross und einem großartigen Team in Bielefeld auf. Die Founders Foundation bildet als die führende Kaderschmiede im Herzen des deutschen Mittelstands die nächste Generation erfolgreicher GründerInnen aus und treibt aus der Flächenregion OWL heraus die digitale Zukunft sowie die Entwicklung von B2B Startup Ökosystemen in Deutschland. Das Besondere ist, dass wir kein Equity für unsere Leistungen nehmen.

Ihr seid jetzt über 4 Jahre dabei, habt die Hinterland of Things als Konferenz etabliert, viele Gründer*innen auf ihrem Weg begleitet und auch die Region Ostwestfalen-Lippe für die Zukunft (mit)-geprägt. Was sind die nächsten Ziele?

Deutschland liegt bei der Gründung von Startups im internationalen Vergleich noch immer zurück. Unser Ziel ist es, das Mindset, die Kultur und die notwendige Infrastruktur zu schaffen, um die Gründungsaffinität nachhaltig zu steigern und erfolgreiche GründerInnen und UnternehmerInnen auszubilden. Das ist eine große Aufgabe, die uns noch eine Weile beschäftigen wird. Dabei schauen wir ständig nach neuen Wegen und Ansätzen, um dieses Ziel noch besser und vor allem schneller zu erreichen.

Warum denkst du haben verhältnismäßig wenig Menschen den Wunsch selbst „Unternehmer*in“ & „Gründer*in“ zu werden?

Je bequemer eine Gesellschaft ist desto geringer der Wunsch nach Veränderung. Mittlerweile haben wir ein Mindset in Deutschland das Gründen eher zum Hobby anstatt zur dringenden Notwendigkeit macht. Unser politisches System ist auf Sicherheit und Erhalten programmiert und nicht auf Ausprobieren und Innovation.

Krisen sind aber oft die Treiber für eine neue Gründerzeit, somit haben wir den Zulauf für unsere Programme in den letzten Monaten deutlich steigern können und denken, dass das erst der Anfang ist. Das macht es so wichtig, dass deutschlandweit noch mehr Organisationen wie die Founders Foundation aufgebaut werden. Gründer-Talente müssen flächendeckend abgeholt und gefördert werden. Mit unserem Pilotprojekt in OWL wollen wir einen Blueprint schaffen, wie das erfolgreich gelingen kann.

Die jetzige „Corona-Krise“ stellt unser Leben, aber auch die Wirtschaft auf den Kopf. Wo siehst du aktuell die größten Chancen und Trends für Startups?

Corona beschleunigt viele digitale Geschäftsmodelle, gleichzeitig geraten schwächelnde Branchen so mehr unter Druck. Auch wenn der Pandemie-inhärente Wandel uns vor große gesellschaftspolitische Herausforderungen stellt, sehe ich die Entwicklung dennoch insgesamt positiv.

Startups spielen dadurch eine sehr wichtige Rolle diesen Wandel zu gestalten, denn Chancen haben insbesondere die, die die Zeichen der Zeit erkennen, gleichzeitig anpassungsfähig, wandelbar und resilient sind und Lösungen für die Zukunft bieten. Schau Dir die Milliardenübernahme von Flaschenpost durch die Oetker Gruppe an. Der Deal, der auf unserer Hinterland of Things Konferenz angestoßen wurde, ist eine riesige Inspiration für die ganze Start-Up Szene und zeigt 1.) wenn das Geschäftsmodell passt, kommen solche Deals trotz oder sogar aufgrund der Krise zustande und 2.) man kann in Münster gründen und in Bielefeld verkaufen, Startups tun gut daran, den Schritt in die Flächenregionen zu wagen, hier wartet gigantisches Potential in der Zusammenarbeit mit dem etablierten Mittelstand.

Nichtsdestotrotz hinkt „Startup Germany“ im internationalen Vergleich hinterher. Wo siehst du die größte Herausforderung?

Das Wettrennen im Bereich Software haben wir schon lange gegen die USA und auch China verloren. Auch im Bereich der künstlichen Intelligenz gewinnt immer der, der früh am Start ist. Aber die Schnittstelle zum Engineering bietet enormes Potential. Hier sind wir immer noch führend und wenn wir die Maschinen nicht nur bauen, sondern auch intelligent machen, ist Deutschland wieder ganz vorne. Für Startups ist das ein Gründer-Eldorado, insbesondere in der Digitalisierung des Maschinenbaues, zum Beispiel der Robotik. Deshalb fokussieren wir uns bei der Founders Foundation auf diesen Bereich, indem entlang der B2B Wertschöpfungskette Gründer gezielt auf bisher ungekannte Chancen mit enormen Marktpotenzial setzen.

Laut Studien und Umfragen wandelt sich die deutsche Startup-Szene hin zu Greentech und Themen, die purpose driven sind. Nimmst du das in der Founders Foundation im täglichen Umgang mit den Gründer*innen auch wahr?

Purpose und Impact Gründungen sind aktuell im Trend, weil die nächste Unternehmergeneration verstanden hat, dass der reine Kapitalismus nicht mehr ausreicht. Ideen wie die nGmbH, formuliert im gerade erschienenen Buch “Das neue Land” von Verena Pausder, liefern wichtige Gedanken, um auch gesellschaftspolitisch Veränderungen herbeizuführen. Das Kapital, welches im Umlauf ist, muss deutlich nachhaltiger und umsichtiger angelegt werden. Aktuell setzen wir vielerorts noch auf die alten Themen und reiten tote Pferde, das muss sich schleunigst ändern. Für uns sind viele der GründerInnen die Helden in spe zur Rettung unserer Zukunft.

Ist „Purpose“ denn ein Geschäftsmodell?

Nein. Aber ohne Purpose kann man heute kein erfolgreiches Geschäft mehr aufbauen. 

Wie wichtig sind weitere Mitstreiter für euch? Welche Bedeutung hat auf der einen Seite die Region rund um Heilbronn und welchen Beitrag kann die Campus Founders für unser Land leisten?

Sehr wichtig. Es geht uns um die Anschlussfähigkeit von ganz Deutschland, insbesondere die Förderung von Gründungsinitiativen in den kraftvollen Flächenregionen. Wir freuen uns daher sehr, dass es tolle Initiativen wie die Campus Founders gibt. Gerade Regionen, in denen es bereits starke Unternehmen gibt, sind für Startups ein großer Vorteil.

Oliver Hanisch ist für das Projekt nach 14 Jahren Silicon Valley extra zurück nach Deutschland gekommen. Wie viel Silicon Valley-Spirit kann unseren Gründer*innen guttun?

Es wäre toll, wenn wir hierzulande den gleichen Gründungs-Spirit entwickeln, wie im Valley. Oliver kennt beide Länder und Ökosysteme sehr gut und wird sicherlich einen besonderen Mix finden. Jedes Ökosystem braucht seine eigene und authentische DNA. Für die Campus Founders ist Oliver als vielseitiger Startup-Experte ein großer Gewinn und ich hoffe er lässt die Sonne aus Kalifornien auch in Heilbronn scheinen.

Vielen Dank, lieber Sebastian, für das Interview. Wir hoffen sehr, uns wieder persönlich mit euch austauschen zu können, wenn die Krise vorbei ist. Dann laden wir euch herzlich gerne auch mal zu uns nach Heilbronn ein 🙂

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