Interview mit Frank Thelen

Was Frank Thelen als Heilbronner Gründer machen würde

Frank Thelen erklärt, warum er nicht in Berlin leben muss um erfolgreich im Startup-Business zu agieren und weshalb der deutsche Mittelstand spätestens jetzt ein Umdenken erleben sollte. 

Lieber Frank, dein neues Buch “10xDNA – Das Mindset der Zukunft” ist super erfolgreich. Ist Deutschland aber wirklich bereit, neu und anders zu denken? 

Frank: Ich glaube, wir haben gerade bedingt durch die Krise ein sehr gutes Momentum, was die Bereitschaft für Veränderungen angeht. Deutschland wurde aus seinem Wohlstandsschlaf gerissen, unsere Politik handelt endlich mal wieder agil und unsere Unternehmen gehen die lange versäumte Digitalisierung an. Ja, ich denke, Deutschland ist bereit für ein 10xMindset. Und das brauchen wir jetzt auch dringend. 

Du kämpfst jetzt mit Freigeist aus Bonn heraus für Startup- und Digital-Germany. Wieso gehst du zum Beispiel nicht in die Gründer- Hochburg Berlin? Kannst du dort nicht schneller mehr erreichen? 

Frank: Ich habe alle meine Unternehmen aus Bonn heraus aufgebaut, bin hier aufgewachsen und meine Frau hat hier ihre Praxis. Wir sehen keinen Grund, nach Berlin zu gehen, denn auch hier im Rheinland und in anderen Ecken Deutschlands liegt viel Potenzial. Viele unserer Portfoliounternehmen sitzen beispielsweise in München. Berlin hat zwar ein Startup-Hub, doch die Deeptech-Startups, auf die wir uns spezialisiert haben, kommen oft von den Spitzen-Tech-Unis des Landes: TUM, KIT, RWTH und co. Da macht es keinen Unterschied, ob wir in Bonn oder Berlin sitzen. Und mit Lilium ist Deutschland ja bald eine Stadt 🙂 

Wie bewertest du die Flächen Regionen in Deutschland aus der VC-Sicht? Wie wichtig sind Startup-Ecosysteme in Regionen, wo die tradierte Wirtschaft zu Hause ist? 

Frank: Startup-Ökosysteme können sehr nützlich sein, wenn es darum geht, ein Netzwerk aufzubauen, Investoren zu finden oder an bestimmten Programmen teilzunehmen. Ich plädiere schon lange dafür, dass mehr traditionelle Unternehmen in Startups investieren sollten. Wir haben einen sehr starken Mittelstand und einige Startups mit viel Innovationspotenzial. Wenn hier Synergien entstehen würden, würde das unserer Wirtschaft sehr zugutekommen.

Wenn du Gründer wärst – welche Opportunitäten würdest du in der Region rund um Heilbronn für dich ausmachen? 

Frank: Ich würde versuchen, mich dort mit dem Mittelstand zu verknüpfen und Unternehmen in meiner Branche zu finden, die bereitwillig an Innovationen herantreten. Ein Netzwerk lässt sich von jedem Standort aus aufbauen und ist immer wertvoll. Ich freue mich, dass die Campus Founders jetzt richtig los legt und Gas gibt. Das ist ein tolles Zeichen für die gesamte Region!

Aktuell entwickelt sich ein Startup-Trend hin zum neuen “digitalen Mittelstand”. Glaubst du tatsächlich an eine Abkehr auf der Gründer- und VC-Seite weg von der Unicorn-Mentalität? 

Frank: Das kommt immer ganz auf die Branche an. Ich denke, unsere Wirtschaft braucht beides: Unicorns und einen starken, innovativen Mittelstand. Grundsätzlich sollten Gründer nicht von der Vision getrieben sein, ein Unicorn aufzubauen, sondern von ihrem Produkt oder Service. Nichts desto trotz fehlt uns Deutschen oft die Fähigkeit, groß zu denken und große Ziele zu setzen. Ein bisschen mehr Unicorn-Mentalität würde uns also vielleicht sogar ganz gut tun. 

Was glaubst du, wie werden das bisherige Rückgrat der deutschen Wirtschaft, der Mittelstand, in zehn Jahren aussehen, wenn wir so weitermachen wie bisher? 

Frank: Ich wünsche mir, dass der deutsche Mittelstand jetzt mutig in neue Technologien investiert und sich so die bevorstehende Revolution zunutze macht, um auch zukünftig das Rückgrat unserer Wirtschaft zu bilden. Aktuell sehe ich hier an vielen Fronten leider noch nicht den nötigen Mut und das konsequente Handeln. Wenn wir nicht bald umdenken, könnte das für unsere Wirtschaft böse enden. Aus diesem Grund will ich mit 10xDNA einen Impuls zum Umdenken geben. 

Welche Hoffnung bzw. Erwartungen hast du an Startups für eine neue, digitale Zukunft? 

Frank: Startups werden mit ihren Innovationen unsere Welt zukünftig nachhaltiger, effizienter und sicherer machen. Ich freue mich auf die Entwicklungen in den Bereichen KI, Automatisierung, Mobilität, Ernährung und co. und ich gehe davon aus, dass die Startup-Szene hier einen gewaltigen Beitrag leisten wird. Deshalb fokussieren wir uns mit Freigeist auf disruptive Deeptech-Startups. 

Was oder wen brauchst du, um eine wünschenswerte digitale Zukunft zu ermöglichen? Wie groß denkst du? 

Frank: Ich brauche herausragende, visionäre Gründerteams, die das Potenzial und den nötigen Drive haben, mit Ihren Innovationen die Welt zu verbessern. Diese Teams suchen wir, weil wir sie mit unserem Kapital und unserer Expertise dabei unterstützen wollen, zu Tech-Champions zu werden. Das ist mein großer 10-Jahres-Plan: ich möchte einen Tech-Champion aus Europa mit aufbauen.

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