Interview Laura Lewandowski

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Du bist Journalistin, Mentorin, Podcasterin und Unternehmerin. Welche Arbeit prägt gerade deinen Arbeitsalltag?

Laura: Ich bin nach wie vor sehr im Creator-Modus unterwegs und habe auch selber festgestellt, dass mir das wahnsinnig viel Spaß macht und eine große Stärke von mir ist. Ganz konkret, schreibe ich gerade weiter fleißig am Newsletter, bereite den Podcast vor und treibe meine Sales und mein Marketing voran. Das ist viel und es sind viele verschiedene Rollen, aber im Startup-Alltag ist man auf vielen Baustellen gleichzeitig unterwegs. Ich bin gerade aber im Findungsprozess und schaue, welche Aufgaben ich zukünftig weitermachen möchte und in welchem Bereich ich Support brauche.

 

Stichwort Support. Die Campus Founders wollen der nächsten Generation Gründer*innen Orientierung und Support geben. Welchen Support hattest du bei deiner ersten Unternehmensgründung?

Laura: Ich habe mir vor allem sehr viel Rat von erfahrenen Unternehmer:innen und Mentor:innen geholt und die mit allen erdenklichen Fragen gelöchert. Dafür habe ich extra regelmäßige Meetings organisiert, bei denen ich immer wahnsinnig gut vorbereitet war, damit ich ihre – aber auch meine – Zeit wertschätze und damit ich schnell vorwärts komme. Gemeinsam haben wir dann Milestones für mich definiert. Deswegen: Holt euch auf jeden Fall Mentor:innen! Das finde ich immer sehr hilfreich.

 

Deine Vielzahl an Projekten und Aufgaben, hat auch dazu geführt, dass du mental und körperlich überarbeitest warst. Wie geht es dir heute?

Laura: Ich will nicht so tun, als ob immer alles rund läuft. Auch hier ist das Stichwort: Support. Ich muss wissen, was das Allerwichtigste ist, was ich jetzt tun muss, um mein Ziel zu erreichen. Dafür muss ich auch meine eigenen Stärken kennen. Diesen Prozess verschriftliche ich und frage mich: Wohin möchte ich? Der Fehler, den man am Anfang oft macht, ist zu sagen: „Alles macht Sinn, alles ist cool!“ Ich musste lernen, dass nur coole, fancy Sachen mich auch nicht weiterbringen. Als Unternehmerin geht es auch darum, zu erkennen, welche Hebel gerade die wichtigsten sind. Am Ende des Tages muss auch genug Geld rein kommen. Dafür müssen bestimmte Dinge eliminiert werden – kill your darlings! Man stellt also besser die Frage: „Was kann ich weglassen, um zu XY zu kommen?“ und nicht „Was muss ich noch tun, um dort hinzukommen?“.

 

Im privaten Bereich ist gerade auch viel los bei dir. Erzähl doch mal.

Laura: Ja, das stimmt (lacht). Ich bekomme im Februar ein Baby und freue mich schon wahnsinng drauf. Ich nehme mir privat also gerade auch viel Zeit für mich. Ich meditiere viel und habe mein Well-Being noch mehr priorisiert. Die Schwangerschaft hat mir da auch extrem geholfen. Mir geht es heute also auf jeden Fall besser und ich bin gerade sehr entspannt.

 

Ein Startup zu gründen und aufzubauen, ist intensiv – gerade in diesen Zeiten. Vor welchen Herausforderungen stehen Gründer:innen jetzt besonders?

Laura: Ich glaube, das Wichtigste ist ein gutes Selbstmanagement. Sich immer wieder selbst challengen, schauen, wohin ich möchte, was lenkt mich von dem ab, was ich eigentlich will. Das ist sowieso eine Herausforderung und in diesen Zeiten sicherlich noch ein Stück schwieriger. Gerade die Anfangszeit nach einer Gründung ist extrem wackelig und aufregend und man macht sich permanent Sorgen. Jetzt kommen auch noch externe Sorgen aufgrund der Pandemie dazu und eine allgemein angespannte wirtschaftliche Situation. Das erschwert die Gründung zusätzlich. Umso wichtiger ist es, einen kühlen Kopf zu bewahren.

 

In deinem Mentorenprogramm Smart Chiefs triffst du viele Startup-Gründer:innen. Welche Themen und Fragen bewegen die Gründer:innen aktuell besonders? 

Laura: Vor allem das Thema Mission und Vision! Ich habe festgestellt, dass egal wie weit die Startups sind, sie dort Bedarf haben und wir ihren Status quo challengen müssen. Denn für mich ist das der Grundstein für eine gute Geschichte. Egal, wo ich diese Geschichte erzählen möchte, muss ich sehr von innen heraus und sehr überzeugend auftreten. Und dafür ist eine Selbstklärung wahnsinnig wichtig. Es ist ein viel größerer Schritt, so eine Selbstreflektion vorzunehmen, als die Geschichte am Ende zu veröffentlichen. Spannend finde ich, dass sobald der Knoten geplatzt ist, die Startups den Rest relativ einfach meistern. Vieles ist natürlich Handwerk: wie schreibe ich besser, wie baue ich gute Geschichten auf etc. Aber wenn Schritt 1 gegeben ist und die Motivation intrinsisch ist, dann schreibt sich die Geschichte fast von selbst.

 

Neben der intrinsischen Motivation sind für dich auch inspirierende Mentor:innen ein weiterer Erfolgsfaktor. Welche:r Mentor:innen haben dich am meisten beeindruckt?

Laura: Ganz viele meiner Interview-Gäste, aber meine Mutter ist definitiv meine Number One. Die habe ich zwar noch nicht bei mir im Podcast gehabt, aber sie hatte auf jeden Fall eine herausfordernde Kindheit. Sie hat sich ihren Weg zu einer wirklich sehr beeindruckenden und weisen Frau hart erarbeitet. Ihr Wissen habe ich sozusagen mit der Muttermilch aufgesaugt.

 

Du hast eben gesagt, dass die Unternehmensgeschichte „von innen heraus“ entwickelt werden muss. Kann es sein, dass ich als Gründer:in rein wirtschaftlich motiviert bin?

Laura: Das kann tatsächlich sein und dann ist das deine Geschichte. Eine Geschäftsidee ist immer dann sinnvoll, wenn sie von gewissen Faktoren getrieben ist. Wenn es finanziell ist, dann gibt es aber auch dafür einen Markt. Und warum gibt es einen Markt? Weil es dafür ein Problem gibt und darauf dann die Antwort, die Lösung. Die Lösung kann dann auch als Geschichte fungieren. Ich als Journalistin gucke ja auch nicht immer nur nach der „Gründer-Story“, sondern auch nach der gesellschaftlichen Relevanz des Unternehmens. Dann geht es bei diesen Geschichten darum, warum der:die Gründer:in sich genau diesem Thema angenommen hat. Warum gründet sie ein Startup im Health-Bereich und nicht etwa in der Immobilienindustrie oder andersrum. Das sind auch Fragen, die in einer guten Geschichte eine Rolle spielen.

 

Bleiben wir noch beim Thema Vision und Mission. Die Campus Founders setzen eher auf „Zebras“ als auf „Einhörner“. Wie stehst du zu dieser Debatte?

Laura: Einhörner sind Unicorns, die ganz schnell vorwärts schießen. Zebras sind eher Herdentiere mit Community-Gedanke. Ich glaube, am Ende des Tages muss jede:r für sich entscheiden, was er:sie für richtig hält. Allerdings glaube ich, dass die Gesellschaft und die Gemeinschaft in vielen Bereichen unserer Wirtschaft und auch unseres Alltags einen großen Stellenwert genießen. Zusammenarbeit wird immer, immer wichtiger. Nicht ein Mensch geht voraus und alle anderen folgen ihm:ihr. Das finde ich bei der Einhorn-Debatte immer schwierig, dass es immer um „höher, schneller, weiter“ geht und dass viele Investoren-Gelder schier „einfach so“ rausgeballert werden – weil der Gewinn verlockend ist, wenn auch nicht unbedingt nachhaltig. Ideen werden gehyped und es gibt noch nicht mal ein Produkt – viel heiße Luft.

 

Ich bin anders sozialisiert worden. Ich komme aus einem Familienunternehmen, da wurde über 50 Jahre sauber und solide gewirtschaftet. Die machen auch große Rendite und Profite, arbeiten aber trotzdem entschleunigt und entspannt. Dort sind Mitarbeiter:innen teilweise seit 20, 30 Jahren im gleichen Unternehmen und super zufrieden. Ich finde es erstrebenswert, wenn eine gute Arbeitsatmosphäre und Unternehmensphilosophie vorherrscht. Denn die mentale und körperliche Gesundheit von Mitarbeiter:innen ist doch das wichtigste.

 

In deiner Videoserie „Meet your Mentor“ hast du mit vielen bekannten Gesichtern gesprochen, darunter Toni Garrn, Nico Rosberg und Wladimir Klitschko. Bei einem bestimmten Interviewgast warst du bei der Anfrage besonders hartnäckig.

Laura: Ich schätze mal, du spielst auf Gary Vaynerchuck an. Hier war es tatsächlich so, dass ich ihn unbedingt in meiner Show haben wollte. Er hat auf die zahlreichen E-Mails nicht reagiert. Ich habe mich also gefragt, wie ich seine Aufmerksamkeit gewinnen kann. Wovon hat er vielleicht noch nicht genug? Von Aufmerksamkeit und Wertschätzung kann man eigentlich nicht genug haben. Auch ein Gary Vaynerchuck nicht. Also habe ich ihm 300 Postkarten auf einmal in sein New Yorker Office geschickt. Eine Woche später war ich Gast in seiner Show – und die Zusage für meine Show hatte ich auch noch.

 

Hartnäckigkeit hat sich also in diesem Fall ausgezahlt. Welche Eigenschaften sollten Gründer:innen noch mitbringen?

Laura: Ja, auf jeden Fall Hartnäckigkeit! Durchhaltevermögen ist wichtig. Und vor allem, der Glaube an sich selbst. Ständig zweifelt man und es kommt einem jemand über den Weg, der was besser kann, was schneller gemacht hat, mehr Geld eingesammelt hat, mehr verdient. Davon darf man sich nicht unterkriegen lassen. Jede:r ist auf ihrer:seiner eigenen Reise unterwegs. Diesen Satz sollte man sich verinnerlichen, am besten übers Bett schreiben.

 

Du hast in einer deiner Kolumnen geschrieben, dass du versuchst, möglichst kein Social Media auf deinem Handy zu nutzen. Wie ist dein aktueller Status?

Laura: Ja, tatsächlich habe ich aktuell weder LinkedIn noch Instagram auf meinem Handy. Ich habe sogar die Weblink-Seiten gesperrt! Aber zugegeben, ich habe noch ein zweites Handy, auf dem diese Apps drauf sind. Es hilft ja nichts, ich muss die Apps ja kennen und sie regelmäßig nutzen. Und ja, manchmal lade ich mir auch die Apps auf mein privates Handy, um sie dann wieder relativ schnell zu löschen.

 

 

Über Laura Lewandowski:

Laura Lewandowski ist “Top 30 unter 30” Journalistin, Unternehmerin und auf der Mission, Erfolg für die Ära moderner Leader neu zu definieren. Als Mitbegründerin der „Meet Your Mentor Experience“ hinterfragt sie den Status Quo und lernt von den Ikonen unserer Gegenwart, wie wir Wellbeing und Performance besser vereinen können – darunter Wim Hof, Jay Shetty, Toni Garrn uvm. Als Founderin von Smart Chiefs bringt sie Startup-Gründer:innen Storytelling bei. Ihre Expertise im Bereich Thoughtleadership und Storytelling gibt sie außerdem an Konzerne wie Facebook, Uber oder Google weiter. In 2020 wurde sie mit dem Digital Female Leader Award und als Top Minds XING ausgezeichnet. Aktuell schreibt Laura Lewandowski regelmäßig Kolumnen für den Business Insider.

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