Tilo Bonow im Interview mit Campus Founders

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Auf unserer Reise durch die Startup-Welt treffen wir immer wieder auf Expert*innen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Eines haben alle dabei immer gemeinsam: Sie sind Herzblut-Unternehmer*innen und wissen, was die Startups dieser Welt bewegt und antreibt. Ob Investoren, Business Angel oder selbst Gründer oder Gründerin – jedes Interview bereichert die Sicht auf das Startup-Ökosystem.

Tilo Bonow bringt enorme Erfahrung mit. Er ist Business Angel, Marketing-Experte und selbst Gründer. Neben seinem Engagement als Keynote-Speaker, Jurymitglied und Moderator ist er CEO von PIABO, der selbst gegründeten und führenden PR-Agentur der europäischen Digitalwirtschaft mit Hauptsitz in Berlin. Er ist maßgeblicher Erfolgstreiber, ambitionierter Unternehmer in globalen Märkten und ausgewiesener Experte der Start-up-Szene. Wir freuen uns, ihn heute im Interview zu treffen.

Unternehmerisches Handeln kann man lernen!

Lieber Tilo, du begleitest die Startupszene Deutschlands und Europas ganz eng. In Anbetracht von der „Corona-Krise“ – wie geht es unserem Startup-Ecosystem?

Tilo: Das ist von Branche zu Branche unterschiedlich: Solche aus dem E-Commerce-, Bildungs- oder Streaming-Bereich, um mal drei Beispiele zu nennen, konnten einen Aufschwung erleben, während die Tourismusbranche eher leidet. Aber auch hier sehen wir Unterschiede. So konnte das Traveltech omio gerade erst eine Finanzierungsrunde in Millionenhöhe abschließen, weil Investoren an die größere Vision glauben. Grundsätzlich haben natürlich auch Startups die Folgen der Krise erlebt und mussten sich mit den neuen Regelungen, wie den Hilfspaketen und Co. vertraut machen. Da sie aber viel flexibler sind als Großunternehmen, konnten sich viele vergleichsweise schnell an die Umstände anpassen. Ich sehe hier viel Optimismus und einen klar gerichteten Blick in die Zukunft. Gerade Gründer und Gründerinnen mit digitalen Geschäftsmodellen sind anpassungsfähig und können die Krise eher als Chance nutzen und kompetent auf neue Herausforderungen reagieren. 

Welche Trends nimmst du technologisch wahr?

Tilo: Gerade im Gesundheitssektor, aber auch in der Industrie 4.0 warten spannende Entwicklungen auf uns, die gerade erst in den Startlöchern stecken. Vor kurzem habe ich in meinem Podcast mit meinen Gästen über Künstliche Intelligenz und über die medizinischen Möglichkeiten des 3D-Drucks – also Biotech – gesprochen. Hier sehe ich unglaublich viel Potenzial, die Gesellschaft durch Technologie positiv zu prägen. Mich begeistert aber auch vor allem die Blockchain-Technologie. Neben Kryptowährungen kann sie in vielen Bereichen neue Möglichkeiten erschaffen, in der Verwaltung für die Legitimierung von amtlichen Dokumenten online, im Gesundheitssektor für die elektronische Patientenakte, aber auch in der Industrie 4.0 zur Speicherung von Nutzungsdaten einer Maschine. Ein gutes Beispiel dafür ist z.B. zksystems.io.

Verändert sich denn auch das Mindest der Gründerinnen und Gründer in Richtung Impact, Green und Sustainability?

Tilo: Absolut! Themen wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz werden gerade für junge Unternehmer ein wichtiges Kriterium für die Gründung von neuen Unternehmen. Wir erhalten zunehmend Anfragen aus der Green Economy, die viele Lebensbereiche der Gesellschaft prägt. Die Greentech Alliance, die gesellschaftlich Aufmerksamkeit schafft, SPRK, die sich für eine nachhaltige Logistik in der Food Supplychain einsetzen und gegen Lebensmittelverschwendung kämpfen oder Compleo, die mit AC- und DC-Ladesäulen den Elektroverkehr in Europa auf die Spur bringen. Den Börsengang hat Compleo vor kurzem erst erfolgreich gemeistert. 

Die Campus Founders in Heilbronn sehen sich als erste unternehmerische „Mindsetschmiede“ Deutschlands. Kann man wirklich lernen wie ein Unternehmer oder eine Unternehmerin zu denken und zu handeln?

Tilo: Ich glaube fest daran, dass man jungen Menschen Erfahrungen, Tipps und eine gewisses Mindset mitgeben kann und auch sollte. Unternehmerisches Handeln kann man durchaus lernen, aber helfen auch hier Fleiß, Mut und eine Prise Naturtalent weiter. Eine kluge Kombination aus Geduld und Beharrlichkeit führt oft ans Ziel.

Welche Bedeutung hat der digitale Aufbruch der wirtschaftlich starken Flächenregionen für dich in Bezug auf die gesamte Digitalisierung unseres Landes?

Tilo: Deutschland war schon immer sehr dezentral und so wundert es nicht, dass es starke Regionen gibt, aber auch Hidden Champions. Hier könnte die Politik vielleicht noch enger mit den Unternehmern zusammenarbeiten, vor allem mit denen, die in Städten wie Heidelberg, Bielefeld und Heilbronn großartige Ideen entwickeln und tolle Geschichten zu erzählen haben, von denen aber niemand etwas hört oder liest. 

Du bist Kommunikationsprofi. Welche Vorteile siehst du kommunikativ, wenn man abseits der Startup-Hochburgen gründet?

Tilo: Viele Vorteile liegen im Storytelling, das diese Unternehmen abseits des Hochburg-Mainstreams nutzen können. Denn auch dort ist eine gute Reputation für die Kundengewinnung, der Partner und auch für das Anwerben neuer Mitarbeiter wichtig. Oft haben diese Unternehmen jedoch noch Hemmungen, halten ihre Unternehmensgeschichte für zu langweilig oder ihr Produkt für zu nischig, dabei lässt sich auch hier mit Mut und den richtigen Schritten eine ganz eigene Geschichte erzählen, die Stakeholder gerne hören würden. Hier ergeben sich auch tolle Möglichkeiten für gutes Personal Branding. 

Welche Vorzüge würdest du für die Startup-Region Heilbronn in den Vordergrund stellen? Die Nähe zum Mittelstand, die Nähe zu Hochschule und Forschung oder doch den einzigartigen Ausbildungs-Ansatz der Campus Founders?

Tilo: Es gibt viele Aspekte, die einen Standort attraktiv machen. Ein kleinerer Standort – also im Vergleich zu Berlin und Co. – birgt oft einen Überraschungseffekt und Strahlkraft für die Region. Ich sehe hier viele Vorteile darin, Familien als Mitarbeitende zu gewinnen, die fernab der Großstadt an Innovation mitwirken wollen. Da spielen auch Grundstückspreise und Infrastrukturen eine wichtige Rolle. Letztlich ist es doch die Frage, was der andere sucht und deswegen hängt es natürlich von der einzelnen Idee ab. In Heilbronn zahlt sich die Nähe zum Mittelstand wie zu Läpple besonders bei Lösungen aus, die eingefahrene Prozesse optimieren, Forschung und Hochschule sind bei Deep-Tech-Innovationen ein Plus und wenn ich tolle Leute suche, ist die Nähe zum Campus ja unschlagbar. Ich gebe die Frage zurück: Warum sich auf einen beschränken?

Vielen Startups ist das Unicorn-Streben mittlerweile zuwider. Was hältst du von der aktuellen „Zebra-Bewegung“ bei den Startups?

Tilo: Das klassische Modell der Startups, die nur auf Profit und Gewinnmaximierung schauen, wird mit dem Wachstum der Zebra-Bewegung sicherlich auf die Probe gestellt. Der Gesellschaft einen Mehrwert zu leisten und etwa sozial, kooperativ, nachhaltig und umweltbewusst zu handeln, ist eine richtige und zukunftsorientierte Maxime. Natürlich bleibt Profitabilität ein wichtiger Faktor für nachhaltiges Wachstum, doch es ist eben schön zu sehen, wie dieser durch starke Werte als neue Größe erweitert wird. Erfolg kann viele Dimensionen haben.

Letzte Frage: Ist die aktuelle „Krise“ auch eine Chance für das deutsche und europäische Startup-Ecosystem im Vergleich zu China oder den USA aufzuholen?

Tilo: Wenn in Europa, ob durch Startups oder der Forschung an Universitäten, neue Technologien geschaffen werden, landen diese meist bei Erfolg direkt auf dem internationalen Markt. Diese auf europäischem Boden aufzubauen und zu stärken muss unser Ziel sein. Unternehmen in den USA zum Beispiel wissen genau, wo sie hinwollen und finden oft leichter finanzkräftige Investoren vor allem in der späteren Wachstumsphase. Hier müssen deutsche Firmen häufig noch aufholen. Wir haben auch spannende Technologien und tolle Gründer*innen, die sie voranbringen. Die Krise hat zwar in vielen deutschen Unternehmen das Bewusstsein geweckt, auch digital sichtbarer zu sein und nach neuen Partnern Ausschau zu halten, aber ohne das richtige Mindset von Gründenden, Medien und Risikokapitalgebern wird es schwer für Europa und Deutschland aufzuholen. Ich bin hier aber optimistisch und sehe das sich hier alle Beteiligten in die richtige Richtung bewegen, auch wenn es mir persönlich noch zu lange dauert.

Vielen Dank, Tilo, für diese Einblicke und den Wissenstransfer. Wir freuen uns noch viel von dir zu hören, zu lesen und zu sehen.

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